Leuchtturm Darßer Ort

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Typ: Orientierungsfeuer, Warnfeuer Leuchtturm Darßer Ort
Internationale Nr. C1440
Deutsche Nr. 216000
ARLHS: FED 070
Position: 54°28'22" N - 12°30'08" E
Kennung: Fl (2+4) 22 s
Bauwerkshöhe: 35,4 m
Feuerhöhe: 33 m
Optik: 6-fach Anordnung mit Blender
Brennweite = 700 mm
Betriebslichtstärke: 320.000 Candela
Tragweite: weiß 20 sm
Inbetriebnahme: 01.01.1849
Foto: September 2011

Der rote runde Ziegelturm mit Laterne und brauner Kupferkuppel steht an der Nordwestspitze der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.

Der Leuchtturm Darßer Ort war der erste Leuchtturm in Deutschland, der mit einer Gürtellinse ausgestattet wurde. Anfangs hat man das Leuchtfeuer mit einer Carcelschen Rüböllampe mit zwei konzentrischen Dochten betrieben. Gegenüber Steinkohlenfeuer konnten die Betriebskosten um zwei Drittel gesenkt werden.
1905 konnte man mit einer zweidochtigen Bassin-Petroleum-Lampe die Leuchtkraft verstärken. Im Jahre 1936 baute man das bis dahin mit einem Petroleum betriebene Leuchtfeuer auf elektrischen Betrieb um und änderte die Kennung von einem weißen Festfeuer mit Einzelblink in ein weißes Blitzfeuer mit einer Gruppe von zwei Blitzen abwechselnd mit 4 Blitzen. Das Leuchtfeuer wird heute mit einer 400 Watt Lampe, elektrischer Drehvorrichtung und einer Lichtquellen-Wechselvorrichtung betrieben. Bis 1978 war der Turm mit Leuchtturmwärtern besetzt. Seither arbeitet das Leuchtfeuer automatisch mit Funkfernsteuerung.
Neben dem Leuchtturm steht das alte Wärterhaus, in dem sich heute die Ausstellung "Natureum" befindet. Bei Stromausfall steht eine Notstromversorgung zur Verfügung.

Geschichte:

Die Ostsee vor Darßer Ort ist reich an Untiefen und gefährlich für die Schifffahrt. Daher wurde bereits 1817, kurz nach der Eingliederung Vorpommerns in das Königreich Preußen, mit den Untersuchungen zum Bau eines Leuchtturmes am Darßer Ort begonnen. Nach der Festlegung des Bauprogramms für die Leuchttürme an der vorpommerschen Küste in den Jahren 1839 bis 1843 gab der preußische König 1845 die Genehmigung für den Bau des Turmes. Seine Fertigstellung wurde am 16. November 1848 bekanntgegeben. In einem Amtsblatt über "Verordnungen und Bekanntmachungen der Königlichen Regierung" vom 7. Dezember 1848 hieß es dazu auszugsweise:

"Am Darßer Ort auf der Halbinsel Darß ist ein Leuchtturm mit zwei Feuern errichtet worden, welche vom 1. Januar 1849 ab ununterbrochen das ganze Jahr hindurch brennen werden. Beide Feuer täglich bei Sonnenuntergang angezündet und bei Sonnenaufgang gelöscht. Das erste Licht erhebt sich einhundert und fünf Preußische Fuß (etwa 35 m) über den Meeresspiegel und ist ein Fresnelscher Linsenapparat zweiter Ordnung als Drehfeuer mit Verfinsterungen von Minute zu Minute. Das zweite ist ein festes Feuer, vierzig Preußische Fuß über dem Meeresspiegel erhaben und wird von drei Argandschen Lampen gebildet. Dieses Feuer, in Verbindung mit dem Gedser Feuer auf der dänischen Küste von Falster bezeichnet die Durchfahrt zwischen den Sandbänken bei Darßer Ort und dem Steinriff Tredelen. Der Turm liegt vom Wasser 57 Ruthen oder 114 Faden (etwa 190 m) entfernt und gibt mit seinem 100 Fuß hohen Gemäuer, welches ungeputzt von roten Mauerziegeln aufgeführt ist und auf welchem sich die Laterne erhebt, auch eine Tagesmarke."

Blitzeinschlag ins Wärterhaus:

Am 19. Juli 1926 schlug ein Blitz in das neben dem Leuchtturm gebaute Wärterhaus ein. Die sofort angestellten Untersuchungen des Blitzableiters durch einen Sachverständigen hatten ergeben, dass die Blitzschutzanlage am Turm sich in ordnungsgemäßem Zustand befand, was auch die Untersuchungen der Vorjahre ergeben hatte. Nach den Untersuchungen des Blitzweges ist der Blitzeinschlag in den in der Mitte des Hauses befindlichen Schornstein erfolgt. Von hier aus hat der Blitz seinen Weg durch die Drahtbefestigung des Rohrputzes der Zimmerdecke zum Telefonanschluss genommen und ist von dort über die Freileitung der Telefonanlage in die Erdleitung des Leuchtturms zur Erde gegangen. Der Deckenputz wurde beim Telefonsicherungskasten herabgerissen. Sämtliche Telefonsicherungen sind unter Feuererscheinung durchgeschmolzen. Bei dem Blitzeinschlag wurde niemand verletzt. Da also trotz der ca. 35 m hohen Turmblitzleitung ein Blitzeinschlag über eine eventuelle Verästelung ins Wärterhaus erfolgte, wurde von dem Sachverständigen eine zusätzliche Blitzschutzanlage für das Wärterhaus empfohlen.

Blitzschutz Darßer Ort

Luftnebelschallanlage:

Ab 1880 wurden am Darßer Ort Nebelsignale durch Kanonenschüsse abgegeben, die am 6. März 1911 eingestellt und durch ein Signale mit einem dampfbetriebenen Nebelhorn ersetzt wurden. Die Kennung waren Einzeltöne von 7,5 Sekunden Dauer mit einer Wiederkehr von 75 Sekunden. Ende November 1912 hat man auf Druckluftbetrieb umgestellt. Die Anlage bestand aus zwei Druckluftsirenen auf dem Dach des Maschinenhauses, davon eine als Reserve. Diese Nebelsignalanlage galt infolge starker Abnutzung der veralteten Motoren nicht mehr als voll leistungsfähig. Auch konnten die Pressluftsirenen trotz der bei den Glühkopfmotoren angebauten Schnellanheizvorrichtung erst nach rund 10 Minuten in Gang gesetzt werden. Die Gefährlichkeit der oft zu Unfällen führenden, plötzlich auftretenden Nebelbildung am Darßer Ort erforderte einen schnelleren Einsatz des Nebelsignals.
Die alten Sirenen wurden daher 1937 durch einen elektrisch betriebenen Vierfachgruppen-Membransender von 200 Hz Tonhöhe und einer abgebenden mechanischer Leistung von 66.000 Watt, entsprechend einer akustischen Leistung von 46.000 Watt in einem 270 Grad abgebenden Schallfeld ersetzt. Der Sender wurde am 1922 errichteten Sturmsignalmast angebaut und sofort einsetzbar. Im Maschinenhaus wurde eine dieselelektrische Anlage mit zwei Aggregaten eingerichtet, bestehend aus einem kompressorlosen Zweizylinder-Viertakt-Dieselmotor mit 30 PS Leistung bei 1000 U/min, einem direkt gekuppelten Einphasen-Wechselstromgenerator mit 14 KW Leistung und 150 Volt Klemmenspannung mit 100 Perioden, entsprechend der Tonhöhe des Senders von 200 Hz, sowie einem Gleichstromfeldregler von 110 Volt Spannung. Bei Ausfall an einem Aggregat schaltete sich der zweite Motor selbsttätig ein.
Der Sender gab Schallsignale mit einer Kennung nach dem Morsebuchtaben D (Darßer Ort) ab, und zwar: 
(Ton 3 s, Pause 1 s, Ton 1 s, Pause 1 s, Ton 1 s, Pause 23 s) Wiederkehr 30 Sekunden.

Im seeseitigen Giebel des Maschinenhauses wurde nach dem Ausbau der alten Kolbensirenen ein Stockwerk aufgesetzt, in dem ein Beobachtungsraum für den Nebelausguck eingerichtet wurde. Der diensthabende Beamte, der früher auf den Leuchtturm steigen musste, konnte bei auftretendem Nebel in kürzester Zeit die Nebelsignalanlage an der Schalttafel des Maschinenhauses in Betrieb setzen. 1972 wurde der Nebelschallsender endgültig abgeschaltet und 1987 zurückgebaut.

Nebelsignalanlage Darßer Ort
Nebelsignalanlage am Darßer Ort, 1953   (Bildquelle: Archiv WSA Ostsee)

Der Leuchtturm Darßer Ort ist - nach dem "Schinkel-Turm" auf Kap Arkona - der zweitälteste Leuchtturm an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern und gleichzeitig der älteste, der heute noch betrieben wird.

Der Turm und das Gehöft sind Eigentum des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund und stehen unter Denkmalschutz. Im Jahr 1990 erfolgte eine Instandsetzung der Kuppel und des Mauerwerks. 1994 wurde der Turm innen restauriert und die Treppen saniert. Seit 1991 werden die Gebäude vom Deutschen Museum für Meereskunde und Fischerei als Außenstelle "NATUREUM Darßer Ort" genutzt. Seit März 1995 kann der Leuchtturm - nach einer Pause von 33 Jahren - wieder bestiegen werden. 134 Stufen führen auf die Aussichtsplattform.

Briefmarke Leuchtturm Darßer OrtBriefmarke Darßer OrtAm 07. Mai 1974 erschien in der DDR eine 20 Pfennig Sonderbriefmarke in einer Auflage von 12 Millionen Stück mit dem Leuchtturm Darßer Ort als Motiv. Am 7. Juni 1988 brachte die Deutsche Post eine 45-Cent Sondermarke mit einem Bild des Leuchtturms Darßer Ort heraus.

Im Süden, links vom Leuchtturmweg, weicht das Ufer bei Sturmhochwasser immer weiter zurück. Bei auflandigem Wind wird der Sand landeinwärts getrieben und bildet die Dünen. Unmittelbar in Strandnähe liegen die Weißdünen. Sie sind nährstoffarm und nur mit Strandhafer bewachsen. Landeinwärts wachsen auf den etwas nährstoffreicheren Graudünen verschiedene Zwergsträucher. Einzelne Kiefern deuten den Übergang zu den Braundünen an.

Anfahrt:

Parkplatz an der Ecke Regenbogenstraße / Bernsteinweg. 4 km zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch einen beschilderten Waldweg.

 

 

 

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