Der Leuchtturm an der Spitze der Halbinsel Falsterbo wurde 1793-1795 aus
gelbgrauen Ziegeln mit einem schwarzen Band gemauert.
Das Gebäude, von dem Architekten
Olof Tempelman entworfen, ist in einem streng klassizistischen Stil
gebaut. Eine Säule steht auf einem quadratischen Sockel. Das Wärterhaus ist im Turm integriert. Das Baujahr steht über der Eingangstür.
Anfangs wurde das Feuer mit einem Steinkohle betrieben. 1842 hat man
eine Linsenvorrichtung mit konkaven Glasspiegeln von Henry Lepaute
aus Frankreich installiert, mit der das Feuer heute immer noch
ausgestattet ist. Als Leuchtmittel verwendete man eine Rübenöllampe,
die 1887 durch eine Petroleumlampe ersetzt wurde. 1906 wurde auch
diese gegen eine hellere Gasglühlichtlampe ausgetauscht. Der
Leuchtturm wurde 1935 elektrifiziert und zum Jahreswechsel 1972-1973 automatisiert. Das
Feuer wurde 1990 gelöscht und 1993 von den neuen Eigentümern wieder in Betrieb genommen.
Falsterbo ist der älteste in Skandinavien bekannte
Leuchtturm-Standort. Seit 1935 ist der Turm staatliches Baudenkmal.
Heute hat der Leuchtturm seine Bedeutung für die Seefahrt verloren,
jedoch wird er von der Kommune Vellinge als "Museumsfeuer"
weiterbetrieben. Die Wohnung des Leuchtfeuers ist an einen
Ornithologenverein vermietet. Am letzten Sonntag im August ist der
Leuchtturm für die Öffentlichkeit zugänglich. Auf Falsterbo befindet sich
eine meteorologische Beobachtungsstation, die alle drei Stunden die
Sichtweite, Windstärke, Windrichtung, Temperatur und Luftdruck direkt an die
Wetterstation in Norrköping liefert. Falsterbo ist bekannt für die Vogelwarte Falsterbo, da die meisten
Zugvögel die skandinavische Halbinsel über das fünf Kilometer lange
Falsterbo-Riff südwärts verlassen. Jedes Jahr kommen tausende von
Besuchern zur Vogelstation Falsterbo, um an einer Führung
teilzunehmen und die vielen Vogelarten zu sehen. Die Führungen
finden während der Frühjahrs- und Herbstsaison am Leuchtturm von
Falsterbo im Freien statt, wo man auch bei der Beringung von
gefangenen Vögeln zusehen kann.
Geschichte: Falsterbo ist der älteste
Leuchtturmstandort in Schweden. 1202 bauten die Dänen unter Waldemar
II auf der Ule Nabbe, im Süden von Falsterbo, wahrscheinlich den
ersten Leuchtturm Skandinaviens. Das Holz- oder Kohlenfeuer
signalisierte den Schiffen das gefährliche Flach am Øresund. Der berühmte Astronom Tycho Brahe war 1577 Aufseher
des Seefeuers von Falsterbo. Aus
der frühen Zeit des Mittelalters sind uns auch Urkunden
erhalten, welche eine Reihe von Leuchtfeuern an der 0st- und
Nordsee betreffen. Sie reichen bis zum Anfang des 13.
Jahrhunderts zurück. In der Urkunde von Falsterbo ist keine
Jahreszahl vermerkt und in dem lateinisch geschriebenen Text wird
nur das Wort "signum" gebraucht, in den Übersetzungen das Wort
"Seezeichen" und "Zeichen". Die
Urkunde ist von König Waldemar II. von Dänemark erlassen, der 1202
an die
Regierung kam und nur bis 1223 den Thron inne hatte, sie muss also
in diese Zeit fallen. 1203 bis 1205 erließ Waldemar Bestimmungen
über den Marktverkehr auf Skanör und Falsterbo, die damals der
Mittelpunkt des Heringsfanges waren, der von Mitte Juli bis in den
Oktober dauerte. An diesen Orten sammelten sich die Heringsflotten
vor dem Fang und kamen hier auch nach dem Fang zum
Salzen und Feststellen der Preise wieder zusammen. Dass aber unter "signum"
hier nur ein Leuchtfeuer gemeint sein konnte, weist Admiral Schultz
in seinem Brief vom Standpunkt des Seemannes
überzeugend nach. Auch sind auf Falsterbo sehr alte
Fundamente von größeren Gebäuden gefunden worden. Dass das Wort "signum" überhaupt gebraucht ist,
erklärt sich daraus, dass die Urkunde im alten Mönchslatein
abgefasst ist, von Dominikanern, welche unter der Regierung
Waldemars II. als erster religiöser Orden nach Dänemark kamen. Diese
kannten aber Leuchtfeuer und deren selbständige Benennung gewiss
nicht. Das dasselbe auch bei Travemünde gebraucht wird, von dem wir
von 1316 bestimmte Nachricht über das dortige Feuer haben, spricht
ebenfalls für diese Auslegung. Ein Tageszeichen würde, wie auch
Admiral Schultz nachweist, auf Falsterbo wenig oder keinen Wert
gehabt haben. Auch die Gewährung, in den Königlichen Forsten das
erforderliche Holz schlagen zu dürfen, spricht unzweifelhaft für ein
Feuer.
Doch jeder Zweifel muss schwinden gegenüber den von Petrarca
für das Leuchtfeuer der Pisaner gebrauchten Worte. Sie bezeichnen die
Flammen des dortigen Turmes als das signum, welches die Schiffer
führt.
Falsterbo war zudem aller Wahrscheinlichkeit nach nicht
das einzige Feuer, welches zu jener Zeit an den Küsten des
dänischen Reiches entzündet wurde. Die
Hansa und der Deutsche Ritter-Orden in den Ostseeländern sagt
von der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts: Schon gewährten auch
England und Holland den lübischen Kaufherren Berechtigungen jeder
Art. Dänemark begünstigte vornehmlich ihr Geschäft in Skanör an der
schonischen Küste, und von dem Hafen zu Falsterbo, an der äußersten
Südspitze des heutigen Schweden, leuchteten bereits wohl
unterhaltene Feuersignale den Schiffern entgegen, die sich
allmählich um die Herbstzeit in großer Anzahl von Lübeck nach
dorthin zum Heringsfang begaben. Nach alledem dürfte das signum
auf Falsterbo mit Sicherheit als Leuchtfeuer anzusprechen sein.
Auch hatten Kullen und Nidingen, etwas weiter nördlich, am
nördlichen Ausgange des Sundes, nach von Otter bereits Leuchtfeuer,
ehe sie an Schweden kamen.
Wegbeschreibung:
Von Malmö kommend auf der
Autobahn E6
ca. 30 km nach Süden. An der Ausfahrt Skanör-Falsterbo abfahren und in
Falsterbo den Schildern zum Golfklub folgen.
Adresse:
Falsterbo Fågelstation, Sjögatan, 23940 Falsterbo |