Mittelpunkte von Deutschland

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Die Frage nach dem Mittelpunkt Deutschlands ist gar nicht so einfach zu beantworten. Der Mittelpunkt von Deutschland oder anderen Ländern kann auf unterschiedlichen, wissenschaftlichen Berechnungsmethoden festgelegt werden. So gibt es Mittelpunkte, die mittels Breiten- und Längengraden, dem Schwerpunkt, dem Schnittpunkt des nördlichsten, südlichsten, östlichsten und westlichsten Punktes, oder durch die Berechnung eines 3D-Modells bestimmt wurden. So kommt es auch, dass es in Deutschland die sechs geografischen Mittelpunkte in Besse, Niederdorla, Flinsberg, Silberhausen, Landstreit und Krebeck gibt.

Mittelpunkt von Deutschland in Krebeck

Mittelpunkt von Deutschland
Koordinaten Mittelpunkt: 51°35'26"N - 10°06'22"E
Koordinaten Standpunkt: 51°35'19"N - 10°07'06"E
Foto: August 2019
Dieser Mittelpunkt Deutschlands wurde durch das Deutsche Geodätische Forschungsinstitut München auf Veranlassung der LBS Münster/Düsseldorf im Mai 1991 mit Hilfe eines dreidimensionalen Modells berechnet. Für seine Festlegung wurden auch Unebenheiten in Form von Bergen und Tälern hinzugezogen. Bei diesem Berechnungsmodell wurden auch die Inseln berücksichtigt.
Der Mittelpunktstein wurde in 37434 Krebeck (Landkreis Göttingen), an der Kreuzung Rote Eiche/Bergstraße aufgestellt. Der Aufstellungsort liegt neben einem Kriegsgräberdenkmal, rund 850 m ostsüdöstlich von den wirklichen Koordinaten des Mittelpunkts entfernt, der in einem Waldstück liegt. Dort hätte ihn niemand gesehen. Der Mittelpunktstein ist vor allem bei Ausflüglern beliebt, die dort gerne mit ihrem Smartphone ein Selfie machen.

Geographischer Mittelpunkt Schleswig-Holsteins

Geographischer Mittelpunkt Schleswig-Holsteins
Geographischer Mittelpunkt Schleswig-Holsteins
Koordinaten Mittelpunkt: 54°11'08"N - 9°49'20"E
Koordinaten Standpunkt: 54°11'02"N - 9°49'15"E
Foto: Mai 2020
Der geographische Mittelpunkt von Schleswig-Holstein befindet sich im Ortsteil Thienbüttel der Stadt Nortorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde.  Die genaue Position wurde vom Landesvermessungsamt errechnet. Dazu wurde die Fläche von Schleswig-Holstein in über 30.000 Dreiecke eingeteilt und mit einem Computerprogramm ausgewertet. Die genaue Position ist 54°11'07,9353" nördliche Breite und 9°49'19,5452" östliche Länge.
Im Jahr 2001 wurde der Mittelpunkt durch einen Mühlstein mit der Aufschrift "DIE MITTE SCHLESWIG-HOLSTEINS“ gekennzeichnet. In der Mitte des Steins sind der Name NORTORF und die genauen Koordinaten mit vier Kommastellen eingefräst. Neben dem Mühlstein stehen zwei Granit-Stelen, die das Wappen der Stadt Nortorf und des Landes Schleswig-Holsteins tragen.
Da der tatsächliche Mittelpunkt Mitten auf einem Feld liegt, wurde das Denkmal rund 180 m südwestlich davon am Ende eines Feldweges aufgestellt.

Geographischer Mittelpunkt Niedersachsens

Geographischer Mittelpunkt Niedersachsens
Koordinaten: 52°50'23"N - 9°04'34"E
Foto: August 2020

Der geographische Mittelpunkt Niedersachsens liegt in dem kleinen Dorf Hoyerhagen bei der Samtgemeinde Grafschaft Hoya im Landkreis Nienburg/Weser.

Das NDR-Regionalmagazin 'Hallo Niedersachsen' ließ 2001 beim Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen den genauen Mittelpunkt errechnen. Zur Ermittlung wurde ein Verfahren zur Schwerpunktbestimmung der Fläche herangezogen.

Als Kennzeichnung wurde am Wegrand ein von einem Bildhauer angefertigter Stein auf einen mit Feldsteinen gemauerten Sockel gesetzt, ein Hinweisschild und eine Fahne mit dem Wappentier Niedersachsens aufgestellt.

Auf der Oberseite des Steins ist ein Kreis mit der Umschrift "LANDESMITTE NIEDERSACHSEN" eingearbeitet. Auf der senkrechten Seite zur Straße hin steht auf dem Stein "hallo Niedersachsen". Auf einer zweiten Seite ist das Aufstellungsdatum 23.05.2003 eingraviert.

Adresse: Wehrenberg, 27318 Hoyerhagen

Mittelpunkt von Nordrhein-Westfalen

Mittelpunkt von Nordrhein-Westfalen
Koordinaten: 51°28'44" N - 7°33'16" E
Foto: September 2020
Der geographische Mittelpunkt von NRW liegt im Dortmunder Stadtteil Aplerbeck an der Gurlittstraße. Seit dem 10. Juli 2019 repräsentiert das Kunstwerk "KOKON" von der Künslerin Christine Böse diesen Punkt. Die 2,50 m hohe Figur zeigt den Umriss der Landkarte von Nordrhein-Westfalen. Dieser Umriss ist zweimal auf einer Achse rechtwinklig um den Mittelpunkt angeordnet.
Die beiden Umrisskonturen wurden aus 30 mm starkem Stahlblech herausgeschnitten und im rechten Winkel miteinander verschweißt. Um dieses kreuzförmige Grundgerüst wurden dann 8 mm dicke Stahldrähte gespannt und verschweißt.
Hinter dem weißen KOKON wurden von der Stadt Dortmund zwei Parkbänke und ein Gedenkstein mit einer Infotafel aufgestellt.
1980 war für den Mittelpunkt von NRW noch Dortmund Berghofen angegeben. Doch durch bessere Satellitentechnik konnte der Punkt heute genauer berechnet werden.

 

Weitere Mittelpunkte von deutschen Bundesländern

  • Der Mittelpunkt von Baden-Württemberg ist gleich zweimal markiert.
    Nach der Extremwertberechnungsmethode, bei der der Mittelwert aus der geographischen Breite des nördlichsten und südlichsten Punkts und der Mittelwert aus der geographischen Länge des östlichsten und westlichsten Punkts errechnet wird, liegt der Mittelpunkt von Baden-Würtemberg in Böblingen.
    Bei der Berechnung des Schwerpunktes von  Baden-Württemberg liegt der Mittelpunkt in Tübingen. Dieser Mittelpunkt wird seit 1986 mit einem drei Tonnen schweren Steinkegel auf einer Lichtung in einem kleinen Wäldchen mit dem Namen Elysium dargestellt.

  • Der geografischen Mittelpunkt von Bayern wurde als Schwerpunkt der Fläche errechnet und befindet sich in unmittelbarer Nähe der Burg Kipfenberg. 1980 wurde dort Findling als Markstein aufgestellt.

  • Der geographische Mittelpunkt von Berlin wurde 1997 an der Alexandrinenstraße 12–14 mit einer Granitplatte markiert, die die Koordinaten enthält.

  • Der Mittelpunkt von Brandenburg ist durch eine Edelstahlstehle im Fahrländer See bei Potsdam markiert. In Ufernähe befindet sich eine Hinweistafel, die den geografischen Mittelpunkt näher erklärt.

  • Im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst, zwischen der St.-Gertrud-Kirche und dem Kuhmühlenteich, liegt der geographische Mittelpunkt der Hansestadt.

  • Der hessische Mittelpunkt befindet sich direkt am Ortseingang von Mücke-Flensungen, im Vogelsbergkreis, in einer Kurve der B 276.

  • Der Mittelpunkt von Mecklenburg-Vorpommern wird seit dem 28. Oktober 1995 durch eine gusseiserne Reliefplatte auf dem Marktplatz vor dem Rathaus von Teterow gekennzeichnet.

  • Seit 1983 markiert ein Findling mit Steinplatte den Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz. Die Stelle befindet sich am Waldrand, etwa 600 Meter nördlich des Ortes Bärenbach und etwa zwei Kilometer vom Flughafen Frankfurt-Hahn entfernt.

  • Im Saarland gibt es wegen unterschiedlicher Berechnungsmethoden zwei Mittelpunkte. Der geographische Mittelpunkt liegt in einem Wald der Gemeinde Lebach und ist mit einem Findling gekennzeichnet. Der geometrische Mittelpunkt des Saarlandes liegt rund 5,5 km nördlicher in der Gemeinde Eppelborn. In der Nähe wurde eine Informationstafel aufgestellt.

  • Der geografische Mittelpunkt von Sachsen liegt im Kurort Hartha, im Tharandter Wald. Rund 250 m westlich der Stelle wurde 1994 zur Kennzeichnung eine Granitstele aufgestellt. Am physikalischen Schwerpunkt von Sachsen wurde nach der Schwerpunktmethode berechnet. Er befindet sich im Nossener Ortsteil Deutschenbora und wurde 2010 mit einer Metall-Stele markiert.

  • Der geografische Mittelpunkt Sachsen-Anhalts befindet sich im Westen der Stadt Schönebeck. Der Punkt wurde in 2010 neu bestimmt und mit einer Infotafel gekennzeichnet.

  • In dem Dorf Rockhausen, südlich von Erfurt, befindet sich der geografische Mittelpunkt von Thüringen. Seit August 2008 weist ein Markierungsstein darauf hin.

Geographische Extrempunkte

Die Extrempunkte von Deutschland geben den nördlichsten, östlichsten, südlichsten und westlichsten Punkt des deutschen Staatsgebietes an.

  • Norden:
    • Nördlichster Punkt der Seegrenze (Hoheitsgebiet):  55°05′05″ N - 08°19′03″ E
    • Nördlichster Landpunkt: Halbinsel Ellenbogen bei List auf Sylt:  55°03′31″ N - 08°25′03 E
    • Nördlichster Landpunkt auf dem Festland: Rodenäs, Nordfriesland:  54°54′41″ N - 08°40′14″ E
  • Süden:  "Grenzstein 147" am Haldenwanger Eck, ca. 17 km von Oberstdorf:  47°16′18″ N - 10°10′27" E
  • Westen:  Am Haus Groevenkamp in Isenbruch, Gemeinde Selfkant:  51°03′03″ N - 05°51′59″ E
  • Osten:  In der Gemeinde Neißeaue, Landkreis Görlitz:  51°16′22″ N - 15°02′37″ E

Grenzstein 309BDer Westlichste Punkt von Deutschland liegt am Haus Groevenkamp an der Kreisstraße 1 im Ortsteil Isenbruch der Gemeinde Selfkant.

Rechts an der Kreisstraße K1, kurz vor dem Grenzübergang zu den Niederlanden, weist der Grenzstein 309 B mit einer Bronzetafel auf den westlichsten Punkt Deutschlands hin, den so genannten Zipfelpunkt.

Die Bronzetafel trägt die Inschrift:

WESTLICHSTER PUNKT

- DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

- DES LANDES NORDRHEIN-WESTFALEN

- DER BEZIRKSREGIERUNG KÖLN

- DES KREISES HEINSBERG

- DER GEMEINDE SELFKANT

Allerdings liegt der wirklich westlichste Punkt Deutschlands mitten in dem kleinen Flüsschen Rodebach. Vom Parkplatz am Haus Groevenkamp führt ein rund 150 Meter langer Steg die Besucher bis dorthin, wo eine rote Stange auf einem Podest den tatsächlich westlichsten Punkt der Bundesrepublik Deutschland markiert.

Westzipfel

Geschichte von Selfkant

Am 23. April 1949 kommt der Selfkant unter niederländische Auftragsverwaltung. Er diente als Pfand für die Kriegsentschädigungen, die Deutschland zu zahlen hatte. 5500 Selfkänter erhielten neue Pässe mit dem Eintrag „Wordt behandelt als Nederlander“. Viel hat es ihnen nicht ausgemacht, waren die Beziehungen doch immer eng geblieben und die Verständigung im verwandten selfkänter und limburger Dialekt stellte ohnehin kein Problem dar. In mageren Zeiten profitierten sie von der neuen Situation. In den nun heimischen Niederlanden gab es Kaffee und Zigaretten, Arbeitsplätze und neue Straßen, während man gleichzeitig zinslose Wohnungsbaudarlehen aus Deutschland beziehen konnte. Wahrscheinlich hätten sich viele nach 14 Jahren Niederlande für einen Verbleib entschieden. Doch 1963 ging Selfkant nach sechsjähriger Verhandlungszeit und einer Zahlung von 280 Millionen D-Mark an Deutschland zurück. In der Nacht zum 1. August 1963 gab es eine Aktion, die ihresgleichen sucht: Häuser, Scheunen und Lastwagen wurden mit Schmuggelware vollgestopft. Vor allem niederländische und deutsche Geschäftsleute waren fleißig bei der Sache. Als die Grenze um Mitternacht fiel, wechselten Kaffe und Zigaretten tonnenweise das Land, ganz ohne Bewegung und zollfrei. Seit 1989 sind die Zollhäuser zu und die Grenzen offen.

Bodenplatte am Westzipfel

Die deutsch-niederländische Grenze am Westzipfel hat einen Zacken. Hier steht das Haus, das einst dem Kohlehändler Pier Craene gehörte. Der sah sich nach der Rückgabe des Selfkants an Deutschland durch die neue Grenzziehung just von seinem angrenzenden Kohleschuppen getrennt. Die Grenzregulierung mit Zickzack vereinte Haus und Schuppen und schlug sie dem niederländischen Gebiet zu.

Zipfelbund

Die nördlichst gelegene Gemeinde Deutschlands, List auf Sylt, die östlichste Stadt Görlitz, die südlichste Stadt Oberstdorf und die westlichst gelegene Gemeinde Selfkant haben sich 1999 zu einem sogenannten Zipfelbund zusammengeschlossen, wobei mit dem Begriff "Zipfel" ein aus einem Territorium eines Landes hervorragendes Gebiet benannt wird.

 

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